Kohleabbau im Ausland
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England
Am Rande der englischen Kleinstadt Hatfield, hinter den von ersten Straßen durchzogenen Planquadraten eines künftigen Gewerbegebietes, erheben sich die alten Fördertürme einer fast 100 Jahre alten Kohlegrube. .....weiterlesen
Zwei Explosionen bei Grubenunglück in Rumänien
Bei zwei Explosionen in einem Steinkohlebergwerk im südrumänischen Valea Jiului sind insgesamt zwölf Menschen ums Leben gekommen.....weiterlesen
Chinas Kohlegruben gehören zu den gefährlichsten der Welt.
Der Kohlebergbau hat den Männern im armen Shanxi Beschäftigung gebracht. Auf dem Feld könnten sie in einem ganzen Jahr nicht so viel verdienen wie in einem Monat in der Kohlegrube. 3000 bis 4000 Yuan (300 bis 400 Euro) verdient Ma unter Tage, das ist fast so viel, wie ein Bauer in seinem Dorf im ganzen Jahr verdient. 4000 Yuan sind ein gutes Einkommen für die Bauern in der Region und doch wenig für Ma, der seine Frau und zwei fast erwachsene Kinder zu versorgen hat. Jahrelang musste er für die Kinder Schulgeld bezahlen, jetzt muss er beide noch unterstützen, bis sie verheiratet sind. Seine Frau hat keine Arbeit, sie kocht, spielt mit den anderen Frauen Karten, sieht fern und wartet. Auch nach den fast zehn Jahren, die ihr Mann unter Tage arbeitet, sorgt sie sich noch immer, ob er wieder wohlbehalten nach oben kommt.
Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht ein Unfall gemeldet wird. Im vergangenen Jahr sind 4746 Bergarbeiter bei Grubenunfällen, zumeist im Kohlebergbau, ums Leben gekommen, das waren im Durchschnitt dreizehn Todesfälle pro Tag. In der nordchinesischen Provinz Shanxi, die nach der Inneren Mongolei die zweitgrößte Anzahl von Kohleminen hat, kamen nicht weit von dem Dorf der Mas im Mai vergangenen Jahres bei einem Unfall 56 Bergleute ums Leben. Ihr Mann hat weder eine Lebens- noch eine Krankenversicherung. Das Ehepaar tröstet sich damit, dass im Straßenverkehr im Jahr mehr Menschen zu Tode kommen als in den Minen. Immerhin gibt es jetzt eine neue Bestimmung vom Staat, sagt Ma. Wenn ein Arbeiter bei einem Unfall ums Leben kommt, muss die Grubenleitung den Angehörigen 200.000 Yuan (20.000 Euro) Entschädigung zahlen. Mit der Verpflichtung auf diese für chinesische Verhältnisse hohe Entschädigungssumme will die Regierung die Minenbesitzer und Betreiber dazu zwingen, Sicherheitsauflagen zu erfüllen. Die vielen Unfälle sind ein arger Imageverlust für die Regierung, der es nicht gelingen will, Vorschriften zur Arbeitssicherheit durchzusetzen.
Serie der Unfälle reißt nicht ab
Mehrfach schon hat sich der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao selbst in der Sache engagiert. Er hat Bergwerke besucht, den Betreibern die Leviten gelesen und Witwen und Waisen getröstet. Doch die Serie der Unfälle reißt nicht ab. Grund dafür ist nicht zuletzt, dass die Nachfrage nach Kohle seit dem Jahr 2002 rapide gestiegen ist und die Kohlepreise hoch sind wie nie. China braucht Kohle für seine Kraftwerke und für die Industrie. Mehr als 70 Prozent der chinesischen Energie wird aus Kohle gewonnen.
Skrupellose Grubenbetreiber vernachlässigen im Bemühen, die Fördermenge zu erhöhen, die Sicherheitsvorkehrungen, bilden ihre Arbeiter, meist Bauern, nicht aus und kontrollieren nicht, ob die Vorschriften eingehalten werden. Zudem verhindert eine Interessenallianz zwischen den Minenbetreibern und den lokalen Behörden eine effektive Kontrolle. Sicherheitsinspektoren sind nicht selten bestechlich. Oft sind die lokalen Funktionäre an den Profiten der Minen beteiligt. Es gibt viele kleine illegale Minen, die sich überhaupt nicht um die Vorschriften kümmern. Dort werden Unfälle vertuscht, Todesopfer nicht gemeldet.
Arbeiter werden nach Fördermenge bezahlt
Oft wird nach Unfällen unter Tage bekannt, dass die Arbeiter Sicherheitsmängel gemeldet hatten, die Betreiber sie aber zum Weiterarbeiten verpflichtet hatten. Eigentlich beträgt die vorgeschriebene Arbeitszeit acht Stunden, doch in vielen Gruben werden die Arbeiter wie Ma Jiandong nicht nach Arbeitszeit, sondern nach Fördermenge bezahlt. Wenn er mehr verdienen will, muss er länger arbeiten, sagt Ma. Nur in den großen staatlichen Kohlebergwerken dauerten die Schichten wirklich nur acht Stunden. Nur dort gibt es auch Altersgrenzen für die Arbeiter. In den staatlichen Kohleminen arbeiten die Arbeiter bis 55, in den kleinen hört man auf, wenn man nicht mehr kann. Einige Bauern der Umgebung wollten allerdings schon nicht mehr in den Gruben arbeiten, sagt Grubendirektor Feng aus Datong. Er hat den Großteil seiner 500 Arbeiter aus entfernten Provinzen angeheuert, aus noch ärmeren Regionen. Für sie hat er auf dem Gelände des Bergwerks Unterkünfte gebaut, lange Reihen eingeschossiger Ziegelbauten, Zimmer an Zimmer, mit Aussicht auf Kohlehalden, Lastwagen und Bulldozer, vor der Tür Kohlebrocken für den Hausgebrauch und ein paar Hühner. Pro Familie gibt es ein Zimmer mit Bett, Tisch und einem kleinen Kohleofen, zum Kochen und Heizen, kein fließendes Wasser. Toiletten auf der anderen Seite der Grube werden von allen genutzt und sehen danach aus.
Die Familie Liu aus der zentralchinesischen Provinz Sichuan scheint trotzdem zufrieden. Wir sind hierhergekommen, um Geld zu verdienen.“ Liu hat es zum Vorarbeiter geschafft und konnte sich schon ein Auto kaufen. Es steht vor der armseligen Behausung, ein strahlendes Zeichen des Aufstiegs, von den Nachbarn anerkennend begutachtet. Vorarbeiter Liu macht sich um die Sicherheit nicht viele Sorgen. Man muss nur nach Vorschrift arbeiten“, sagt er. Viele Unfälle seien auf Fahrlässigkeit der Arbeiter zurückzuführen. Auch Grubendirektor Feng versichert, bei ihm gehe alles nach Vorschrift, und zeigt stolz sein Schachtbelüftungssystem. Sein Bergwerk ist als ein fortschrittliches Unternehmen“ ausgezeichnet worden. Der Direktor geht einmal die Woche selbst unter Tage und überzeugt sich davon, dass alles den Vorschriften entspricht. Er war früher selbst Kumpel, zwanzig Jahre lang. Jetzt ist er Leiter eines Bergwerks, das dem Kollektiv“ gehört. Das ist eine schwammige Eigentumskonstruktion, die aus sozialistischen Zeiten überkommen ist und meistens bedeutet, dass die lokalen Parteifunktionäre de facto über die Mine verfügen.
Viele Unfälle in kleinen, illegalen Gruben
Im Jahr 2005 begann die chinesische Regierung mit einer große Kampagne zur Sicherheit in den Bergwerken. Die Zeitungen veröffentlichten eine Liste von mehr als 1000 Bergwerken, die wegen Sicherheitsmängeln zur Schließung oder zur Zusammenlegung mit anderen Gruben verpflichtet wurden. Auch sollten alle Minen mit einer jährlichen Produktionskapazität unter 30.000 Tonnen entweder geschlossen oder an andere angeschlossen werden, verordnete die Regierung. Im Jahr 2007 sollen mehr als 2200 Gruben geschlossen werden. Insgesamt stehen 14.000 Gruben zur Schließung bis zum Jahr 2008 an. Doch wurde diese Frist schon bis zum Jahr 2010 verlängert, weil der Plan bei den lokalen Behörden auf Widerstand stieß.
Die Regierung gibt Produktionszertifikate aus, die illegale Förderung verhindern sollen. Dazu werden hohe Belohnungen ausgesetzt für alle, die Unfälle, Sicherheitsmängel oder illegale Förderung melden. Das hat die Lage etwas verbessert, die Zahl der Unfälle ist im vergangenen Jahr um 20 Prozent zurückgegangen. Im Januar stieg sie aber schon wieder um 34 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die meisten Unfälle ereigneten sich jetzt in kleinen und illegalen Gruben, sagt ein Grubeninspektor aus Shanxi. Wie viele illegale Gruben es gibt, will niemand sagen. Der Inspektor erzählt, dass in diesen Gruben oft nur nachts gearbeitet wird. Es nützt nichts, wenn wir illegale Minen melden“, sagen die Bergarbeiter vieldeutig und spielen damit auf korrupte Funktionäre an, welche die Illegalen schützen.
Mit Kohle ist einfach zu viel Geld zu verdienen
Die Regierung hat auch angeordnet, dass Grubenbesitzer mit roten Kappen“, Parteifunktionäre, sich aus diesem Geschäft zurückziehen müssen. Bislang seien mehr als 3000 rote Kappen“ dieser Bestimmung gefolgt, berichteten chinesische Zeitungen. Doch wie überall in China gibt es auch hier Umwege und Abkürzungen. Mit Kohle ist einfach zu viel Geld zu verdienen.
Bergwerksdirektor Feng erzählt, dass er an einer Tonne Kohle, die er für 256 Yuan verkauft, 100 Yuan Reinverdienst hat. Er schätzt, dass der Preis für Kohle weiter hoch bleiben wird. China wird auch weiterhin seine Energie hauptsächlich aus der Kohle gewinnen, und Fachleute schätzen, dass die Vorkommen noch 100 bis 200 Jahre reichen. Der Reichtum von Shanxis Kohlebossen ist in China fast schon sprichwörtlich geworden. Sie sind bekannt dafür, dass sie die dicksten Autos fahren und in Schanghai und Peking Villen und Luxuswohnungen kaufen. Die Betreiber kleiner Minen können vier bis fünf Millionen Yuan im Jahr verdienen, die von größeren Gruben bis zu 100 Millionen. Dass sie dennoch kein Geld für die Sicherheit ausgeben wollen, wird ihnen jetzt auch in China mehr und mehr verübelt.
Vögel sterben auf der Suche nach Futter und Menschen auf der Suche nach Reichtum“, zitiert Bergarbeiter Ma Jiandong schicksalsergeben eine chinesische Redensart. Reich wird er nicht werden, aber seine Kinder werden es besser haben. Ich habe meinen Kinder schon in der Grundschule gesagt, sie müssten gut lernen, damit sie später nicht wie ich in der Kohlegrube arbeiten müssen.“
Text: F.A.Z.
China
Riskanter Kohleabbau
Chinas Energiebedarf steigt stetig, die eigenen Ressourcen reichen längst nicht mehr aus. Energielieferant Nummer 1 ist nach wie vor die Kohle. Bei deren Abbau zählt die Masse, Sicherheit ist Nebensache. Ein fataler Fehler, denn inzwischen haben sich unzählige Kohleadern entzündet. Die giftigen Dämpfe der Schwelbrände belasten in hohem Maße die Umwelt.
Ein ungewöhnlicher Platz zum Braten. Der Wok auf steht heißer Erde. 300 Grad kann man hier messen, so heiß wird kein Herd in der heimischen Küche. Doch vom Genuss der Speise ist abzuraten, denn der Qualm stinkt entsetzlich und ist hochgiftig. Die vier Männer hier erkunden das gefährliche Terrain am Rande der Wüste Gobi in Nordchina. Es sind Geologen aus Essen. Ihr wichtigstes Werkzeug: Ein präzises Thermometer. Denn schon an der Oberfläche ist es gefährlich heiß.
So weit das Auge reicht: Überall steigt Qualm auf. Stinkender Qualm. Verursacht durch unterirdische Flözbrände. Über 5.000 Kilometer erstrecken sich solche Brände allein in Nordchina – von Kasachstan bis zum Grenzfluss Amur im Osten. Hier liegen die großen Bergbaugebiete Chinas. Wertvolle Kohle, die seit Jahren schon ungenutzt verbrennt und die Umwelt verpestet. Im Klartext: dieser Qualm ist hochgiftig. Allein der Kohlendioxid-Anteil ist vier Mal so groß, wie der Gesamtausstoß aller Automobile in der Bundesrepublik. Und gleich neben den Feuerlöchern leben Menschen. Flözbrände vernichten Tonnen von Kohle Zwei Kohlediebe auf frischer Tat ertappt. Vor unserer Kamera suchen sie schnell das Weite. Es sind solche Kohlediebe und illegale, kleine Bergwerke, die Flözbrände entscheidend mit verursachen. Anders als in Deutschland liegt die Kohle hier dicht unter der Oberfläche. Die illegalen Bergarbeiter graben kleine Stollen in den Berg und tragen die Kohle ab. Bei der Oxydation entsteht so große Hitze, dass die Kohle sich selbst entzündet und dann rasend schnell durch den Berg brennt. Gut 200 Millionen Tonnen Kohle werden so in China jedes Jahr vernichtet. Salut für einen Neuanfang. In der Bergarbeiterstadt Wuda mitten zwischen den brennenden Kohlefeuern wird auf diese Art ein neues Kaufhaus eingeweiht. Der schöne Schein bringt Abwechslung für einige kurze Momente in die triste Siedlung von immerhin 80.000 Einwohnern. Die Stadt Wuda ist eine sehr junge Stadt. Erst 1958 wurde sie gegründet, als man hier auf riesige Kohlevorräte stieß. Eine Siedlung, in die sich kaum Fremde verirren. Die Stadt am Gelben Fluss bietet kaum Attraktionen. Das Leben auf den Straßen der Stadt, das Markttreiben – so ist der Alltag für die Bewohner. Die Temperaturen Im Sommer extrem heiß, im Winter äußerst kalt – bis minus 40 Grad. Wie reagieren die Bewohner? Was wissen sie über die Kohlefeuer? Auf dem Weg unter Tage. Dies ist ein Vorzeigebetrieb des staatlichen chinesischen Bergbaus. Mit neuer Technik und von Maschinen - meist deutscher Herkunft - vollautomatisch betrieben. Hier geht es sicher zu. Doch schwere Unfälle im Bergbau sind leider immer noch an der Tagesordnung. Chinas Bergwerke gelten als die unsichersten weltweit. Der hohe Produktionsdruck ist ein wesentlicher Grund. Die Bergwerke sind überlastet, die Sicherheit wird dabei vernachlässigt. Brennende Berge werden abgetragen China braucht ständig mehr Kohle. Deutsche Experten beraten die Chinesen verstärkt in Fragen der Bergbautechnik und Kohleverstromung Zwei Drittel des Energieverbrauchs stützt sich auf die Kohle. Doch die Vorräte schrumpfen. Zurück in den Bergen. Alle Löschversuche scheiterten bisher, zumal China im Norden unter Wassernot leidet. Und die giftigen Gase dringen selbst unterirdisch an die Arbeitsplätze im Bergwerk vor. Die Fachleute aus dem Ruhrgebiet haben die Chinesen auf eine andere Idee gebracht: Sie lassen die brennenden Berge abtragen, damit die Flammen sich nicht weiter durch intakte Kohlegebiete durchfressen können und noch mehr Rohstoffe vernichten. Denn selbst in der Nähe der heißen Flözbrände kann keine Kohle abgebaut werden. Ein enormer Aufwand mit tausenden Arbeitern und Maschinen. Das einstige Exportland China muss schon Kohle einführen, um den Bedarf zu decken. Mit weltweiten Konsequenzen: Die Kohlepreise steigen seit Jahren. Wie wichtig Kohle ist zeigen diese Szenen: arbeitslose Männer und Frauen retten noch brauchbare Kohlestücke unter großen Mühen aus den Bergen, um sie auf dem Markt zu verkaufen. Für den nächsten strengen Winter.
Quelle MDR Windrose Autor Hartmut Idzko
Mexikos Bergwerke im Aufschwung
Auch Negativentwicklungen zu verzeichnen
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Der Aufschwung im mexikanischen Bergbau wird jedoch von Negativentwicklungen überschattet. Die Arbeitsbedingungen in den Minen sind schlecht und es ereignen sich häufig Grubenunglücke. Bei dem Explosionsunfall in der Kohlegrube Pasta de Conchos in Coahuila waren 65 Todesopfer zu beklagen. Niedrige Löhne und diese Arbeitsbedingungen führen zudem häufig zu Streiks.
Streiks hatten teilweise erheblich auf das Betriebsergebnis des Bergbaus gedrückt. So errechnete die Statistikbehörde INEGI 2007 ein Septemberergebnis, das im Vergleich zum Vorjahr um 2,6% gesunken war. Rückläufig entwickelte sich in diesem Zeitraum die Produktion von Schwefel, Gips, Gold, Kupfer, Silber, Zink und Koks. Eine Zunahme gab es bei Kohle (ohne Koks), Eisenerz, Flussspat und Blei zu verzeichnen.
